Veröffentlicht von Ziehm Imaging GmbH Germany

Hand
in Hand

Text: Alessa Sailer
Fotos: Juli Sing

Zwei Ärzte im OP-Saal halten die Hand eines Patienten
In der Universitätsklinik Balgrist gehen klinische Expertise und moderne Bildgebung Hand in Hand – für eine bestmögliche Versorgung.

Prof. Dr. Andreas Schweizer, Chefarzt der Handchirurgie der Universitätsklinik Balgrist, braucht seine Hände nicht nur beruflich für die filigransten chirurgischen Techniken, sondern auch für seine zweite große Leidenschaft: das Klettern. Nicht zuletzt wegen seiner Begeisterung und seines Verständnisses für den Bergsport wenden sich verletzte Kletterinnen und Kletterer aus ganz Europa an ihn.

Prof. Andreas Schweizer
Prof. Dr. Andreas Schweizer leitet seit 2019 die Handchirurgie im Balgrist. Zusammen mit seinem Team versorgt er nicht nur Frakturen und Knochenfehlstellungen, sondern führt beispielsweise auch Sehnen-, Band- sowie komplexe Nervenrekonstruktionen durch.

Wer das Büro von Prof. Dr. Andreas Schweizer betritt, sieht sofort, wofür das Herz des Chefarztes schlägt. Über seinem Schreibtisch thront ein Poster des Matterhorns, den Platz im Wandregal teilt sich die handchirurgische Fachliteratur mit einem Paar Kletterschuhen und einem Chalkbag. Das Gesamtbild zeigt: Prof. Schweizer liebt nicht nur die Handchirurgie, sondern auch den Bergsport. Er deutet auf das Kalenderblatt mit der Eiger-Nordwand, die für ihre sehr langen und gefährlichen Routen bekannt ist, und erzählt: »Die ›Deep blue sea‹-Route bin ich auch schon geklettert.« Seine beiden Leidenschaften entwickelten sich beinahe zeitgleich, während seiner Studienzeit. »Klettern hat mich schon als Kind interessiert, aber ich kannte niemanden, der das macht. Während des Studiums hatte ich dann einen Freund, der auch klettern wollte. Und so fing es eigentlich an«, erinnert sich Andreas Schweizer. Damals, Anfang der 1990er-Jahre, gab es gerade mal eine Kletterhalle in Zürich – heute erlebt der Sport einen wahren Boom, nicht nur in der Schweiz. Mit dem Aufwärtstrend steigt auch die Zahl der Verletzungen unter Kletterinnen und Kletterern. Und die lassen sich gern in der Universitätsklinik Balgrist untersuchen und operieren, sofern keine konservative Behandlung möglich ist. Warum ihn die Handchirurgie fasziniert, liegt für Andreas Schweizer wortwörtlich auf der Hand, denn: »Die Biomechanik der Hand fand ich schon immer spannend. Dazu kam das Klettern, und auch da sind natürlich Verletzungen ein Thema. Und so war meine Facharztrichtung dann klar.«

Den Platz im Wandregal teilt sich die handchirurgische Fachliteratur mit einem Paar Kletterschuhen und einem Chalkbag.
Die Kletterschuhe sind auch im Büro immer griffbereit: Prof. Schweizer trainiert möglichst täglich an seiner Kletterwand in der Garage; freitags genießt er seine Sporteinheit am liebsten mit seiner Tochter in der Halle.

Prof. Schweizer war zwei Jahre lang Präsident der International Rock Climbing Resource Association, ist nun deren Ehrenmitglied und gab unter anderem das inzwischen vergriffene Klettertrainingsbuch »Vertical Secrets« heraus. Der Chefarzt setzt sich nicht nur mit medizinischer und klettertechnischer Forschung auseinander, sondern auch mit Trainingsphysiologie und -wissenschaft. Daneben nimmt er seinen Lehrauftrag sehr ernst. Regelmäßig betreut Andreas Schweizer Studierendengruppen und versucht, sie für die Handchirurgie zu begeistern.
Teamwork wird im OP von Prof. Schweizer großgeschrieben. Für ihn zählt nicht, möglichst viele Eingriffe selbst zu übernehmen, sondern den jüngeren Ärztinnen und Ärzten die Techniken beizubringen, indem sie sie selbst durchführen. Im OP ist Andreas Schweizers ruhige und stets konzentrierte Art von Anfang bis Ende zu spüren. Er kontrolliert jeden Schritt seines Assistenzarztes mit fokussiertem Blick durch die Lupenbrille, übernimmt aber bei der ersten Operation des Tages – zur Entfernung eines Enchondroms, also eines gutartigen Knorpeltumors im Fingerknochen – die Rolle des Mentors.

Mit fokussiertem Blick durch die Lupenbrille überwacht Prof. Schweizer jeden Schritt bei der Entfernung des gutartigen Knorpeltumors im Ringfinger des Patienten.
Mit fokussiertem Blick durch die Lupenbrille überwacht Prof. Schweizer jeden Schritt bei der Entfernung des gutartigen Knorpeltumors im Ringfinger des Patienten.

Doch nicht nur das OP-Team ist essenziell für einen Eingriff, sondern auch die Bildgebung: Die Handchirurgie im Balgrist setzt seit 2009 auf
Mini-C-Bögen von Orthoscan. Jeder der drei handchirurgischen OP-Säle ist mit einem Gerät ausgestattet, um die Bildgebung immer parat zu haben; dazu kommt ein weiterer Mini-C-Bogen für Notfälle. Je nach Eingriff kommt ein TAU 1515 oder ein TAU 2020 zum Einsatz – letzterer etwa bei Unterarm-OPs, wo mehr Anatomie dargestellt werden muss. Im Frühjahr 2025 bekam der Balgrist zwei Mini-C-Bögen der neuesten Generation mit komplett überarbeiteter Bildkette. Von der Qualität der klinischen Bilder ist Prof. Schweizer überzeugt. Ein weiterer Aspekt ist die sehr niedrige Dosis, die zum einen durch das Pulsen zustande kommt. Zum anderen ist es möglich, direkt auf dem Detektor des C-Bogens zu operieren und die Hand bzw. den Unterarm darauf für die Durchleuchtung zu positionieren – so weit vom Generator entfernt wie möglich. »Wir hatten das Bundesamt für Gesundheit wegen Strahlenmessungen hier. Bei einem Meter Abstand war tatsächlich keine Strahlung mehr messbar«, berichtet Prof. Schweizer und betont, dass er sich dadurch sehr sicher im OP fühlt. Auch, dass die TAU-Geräte sich im Gegensatz zu Fullsize-C-Bögen schneller und leichter manövrieren lassen, spricht für den Einsatz der Minis.

Der Orthoscan Mini-C-Bogen TAU 2020 lässt sich leicht manövrieren und kommt dank gepulster Fluoroskopie mit besonders wenig Strahlendosis aus.
Prof. Schweizer arbeitet nicht nur mit seinem Team, sondern auch mit den ihm zur Verfügung stehenden Technologien Hand in Hand. Der Orthoscan Mini-C-Bogen TAU 2020 lässt sich leicht manövrieren und kommt dank gepulster Fluoroskopie mit besonders wenig Strahlendosis aus.

Was die Universitätsklinik Balgrist von anderen Einrichtungen unterscheidet, sind nicht nur die moderne technische Ausstattung und die innovativen medizinischen Angebote, sondern auch das Personal. So kann sich das Züricher OP-Team stets auf Rajeekaran Sithamparapillai verlassen, der ausschließlich für die Medizintechnik im OP zuständig ist. Er prüft beispielsweise die Einstellungen der Geräte, wenn den Ärztinnen und Ärzten etwas auffällt, behebt kleinere Unstimmigkeiten direkt selbst und kontaktiert im Zweifel den Ansprechpartner bei Leuag, dem Distributionspartner von Ziehm Imaging und Orthoscan in der Schweiz.

Nahaufnahme einer Hand in OP-Handschuh an offener Wunde, die einen Draht einführt
Die Universitätsklinik Balgrist hat insgesamt sieben Mini-C-Bögen von Orthoscan im Einsatz – nicht nur im OP, sondern auch in der Poliklinik sowie im OR-X, dem chirurgischen Forschungs und Lehrzentrum, das über einen Simulations-OP-Saal und ein Skills Lab verfügt.

Das Team der Handchirurgie operiert in drei von aktuell acht Sälen, rund 12 bis 16 Fälle pro Woche. Dazu kommen noch die Patientinnen und Patienten in der Sprechstunde. Im Schnitt zwei bis vier Menschen mit Kletterverletzungen suchen jede Woche den Rat von Prof. Schweizer. »Die wollen dann zum Beispiel eine realistische Einschätzung, wann sie wieder klettern dürfen, weil der Hausarzt sagt, das sei gar nicht mehr möglich«, schildert der Handchirurg. »Tatsächlich operieren wir aber nur eine Handvoll von ihnen pro Jahr, denn die meisten Kletterverletzungen lassen sich konservativ behandeln.« Am häufigsten operieren Prof. Schweizer und sein Team Menschen mit Karpaltunnelsyndrom und Frakturen; auch Korrekturosteotomien werden oft durchgeführt. Diese sind notwendig, wenn Brüche nicht oder nicht ausreichend versorgt wurden. Wachsen die Unterarmknochen dann »falsch« zusammen, kommt es zu Bewegungseinschränkungen, manchmal zusätzlich zu Schmerzen. Bei einer Korrekturosteotomie wird der betroffene Knochen durchtrennt, um die Einzelteile wieder in der richtigen Position zusammenzuschrauben. »Bei komplexen Fällen kann die Planung einer solchen OP mehrere Stunden dauern«, betont Prof. Schweizer. Damit die Knochen dann auch passgenau im richtigen Winkel zusammengesetzt werden können, verwendet der Handchirurg gerne patientenindividuell gefertigte CARD-Blöcke (Computer Assisted Research and Development Blöcke). Diese 3D-gedruckten Schablonen hat der Chefarzt nach japanischem Vorbild selbst weiterentwickelt und im Balgrist etabliert. Sie erleichtern das exakte Sägen und Platzieren der Schrauben. Mittlerweile finden jede Woche Operationen mit CARD-Blöcken statt – damit grenzt sich die Universitätsklinik von anderen Einrichtungen ab. »Je nach Fall sparen wir 30 bis 50 Prozent Zeit ein, eine Schaft-Osteotomie dauert nur zwei statt vier Stunden«, erklärt Andreas Schweizer. »Und das Resultat ist einfach viel besser als ohne Schablone, weil wir damit genauer arbeiten können.«

Klinisches Bild einer CARD-gestützten Korrekturosteotomie am Radius: Die sogenannten CARD-Blöcke werden anhand von CT-Daten geplant, anschließend 3D-gedruckt und sterilisiert. Die patientenindividuellen OP-Schablonen zeigen, wie wichtig Forschung und Innovation im Balgrist sind. Klinisches Bild einer CARD-gestützten Korrekturosteotomie am Radius: Die sogenannten CARD-Blöcke werden anhand von CT-Daten geplant, anschließend 3D-gedruckt und sterilisiert. Die patientenindividuellen OP-Schablonen zeigen, wie wichtig Forschung und Innovation im Balgrist sind.
Klinisches Bild einer CARD-gestützten Korrekturosteotomie am Radius. Klinisches Bild einer CARD-gestützten Korrekturosteotomie am Radius.

Prof. Schweizer arbeitet nicht nur mit seinem OP-Team Hand in Hand, sondern auch mit den ihm zur Verfügung stehenden Technologien: 3D-Blöcken und Mini-C-Bögen, die stets verlässliche Bilder liefern, um die Knochenstellung sowie die Position von Drähten, Schrauben und Platten zu kontrollieren. Hobby und Arbeit greifen bei Andreas Schweizer ineinander, denn: »Beim Operieren ist es schon ein Vorteil, wenn man ein bisschen Kraft hat.« Gute Fingerkraft ermöglicht es, sowohl das eigene Körpergewicht selbst an kleinsten Klettergriffen zu halten, als auch, chirurgische Instrumente sicher zu führen. Damit unterstützt die Fingerkraft auch die nötige Präzision bei operativen Eingriffen.

Über die Universitätsklinik Balgrist


Die Universitätsklinik Balgrist ist ein hochspezialisiertes Kompetenzzentrum für die Abklärung, Behandlung und Nachbetreuung von Schädigungen des Bewegungsapparats. Medizinisch gliedert sich das Leistungsangebot in die Bereiche Orthopädie, Paraplegiologie, Rheumatologie und Physikalische Medizin, Sportmedizin, Neuro-Urologie, Chiropraktik, Radiologie sowie Anästhesiologie.

Das breite Spektrum vernetzter Therapien wird ergänzt durch pflegerische Betreuung, soziale, versicherungsrechtliche und psychologische Beratung sowie berufliche Eingliederungsmaßnahmen und Rehabilitation. Alle Aktivitäten sind darauf ausgerichtet, den Patientinnen und Patienten größtmögliche Unterstützung zukommen zu lassen. 

Die Universitätsklinik Balgrist setzt mit ihren Forschungsinfrastrukturen Balgrist Campus und OR-X in der orthopädischen Forschung und Lehre international anerkannte Maßstäbe. Der private Träger der Universitätsklinik Balgrist ist der Schweizerische Verein Balgrist.

Die Handchirurgie in Zahlen


Der Fachbereich Handchirurgie von Prof. Dr. med. Andreas Schweizer und seinem Team deckt das gesamte Spektrum der Hand- und der peripheren Nervenchirurgie ab, unabhängig von der Ursache, der Problematik oder der Komplexität der Behandlung. Hochspezialisierte Kenntnisse und Fähigkeiten, Techniken und Materialien verschmelzen bei der Behandlung zur bestmöglichen Anwendung. Im Jahr 2024 gab es in der Handchirurgie 496 stationäre Austritte, 1.607 Hand-Eingriffe (davon 1.002 Operationen) und 9.720 ärztliche Konsultationen.

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